Aktuelles
5. Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses Kirchheim gemeinsam mit dem Ausschuss für Kultur und Öffentlichkeit
Diskussion und Abstimmung bezüglich Aufstellung eines Verkehrsschildes im Dorfmittelpunkt mit der Aufschrift „Gurs 1324 km“ Zur Erinnerung an 8 deportierte Kirchheimer Juden ins französische Internierungslager Gurs.
Schwieriges Thema in schwierigen Zeiten
Für die FWG-Kirchheim ist das Gedenken an Opfer des Nazi-Regimes wichtig. Dass sich eine kleine Gruppe von interessierten Kirchheimer Bürgern als Interessensgemeinschaft zusammengefunden hat, um an 8 Jüdische Gemeindemitglieder, die am 22.10.1938 nach Gurs deportiert wurden, zu erinnern, empfinden wir als ehrenwert.
Um dieses Thema möglichst gründlich von allen Seiten zu beleuchten und einen dörflich-individuellen Umgang damit zu finden, hat die FWG sehr sorgfältig Informationen dazu gesammelt.
Hierbei stellte sich uns die Frage, welcher Quelle man glauben schenken darf:
- der Interessensgemeinschaft "IG Jüdisches Kirchheim",
- oder dem Verfasser des Heimatbuches, Heinrich Julius Keller, der auf Seite 220 das Thema Friedhof und Synagoge der Jüdischen Gemeinde in Kirchheim erwähnt.
Hier wird beschrieben, dass mit der Deportation schon 1938 begonnen wurde. Es wird auch nicht von 8, sondern von 27 Jüdischen Mitbürgern berichtet, die allesamt auf dem Gedenkstein auf dem Jüdischen Friedhof namentlich erwähnt sind.
Wenn man im Bundesregister nachschaut, findet man noch einmal andere Angaben zu den betroffenen Personen, und zwar zwischen 10 und 21 Menschen.
Es sollte also zunächst geklärt werden, welche Angaben, Fakten und Daten richtig sind, bevor man ein Projekt zu diesem Thema entwickeln kann. Es versteht sich von selbst, dass bei derart sensiblen Themen eine professionelle Herangehensweise unabdingbar geboten ist.
Des Weiteren ist unsere Meinung, dass es auch außer Frage steht, dass man allen betroffenen Menschen gedenkt, denen durch die Nazi-Herrschaft Leid angetan wurde, ob Juden, ob behinderte Menschen, ob Sinti und Roma, ob Schwule und Lesben und - nicht zu vergessen - denjenigen, die diesen Menschen beigestanden und Ihr eigenes Leben damit aufs Spiel gesetzt haben.
Wir möchten auch betonen und der Behauptung wiedersprechen, dass es eine "Schande" sei, dass diesem Thema bisher zu wenig Beachtung geschenkt wurde:
- Im Jahr 1947 war es sicher nicht einfach für den damaligen Bürgermeister Rühl und dessen Gemeinderat, den durch die Nazis zerstörten Friedhof wiederherzustellen und ein Mahnmal darauf zu errichten.
- Wir möchten auch an das Bestreben von Herrn Friedhelm Dörr erinnern, der schon vor über zehn Jahren die Idee hatte Stolpersteine zu verlegen.
- Pfarrer Sacha Weber hatte sich seiner Zeit ebenfalls mit dem Thema befasst.
Nach reiflicher Überlegung und vielen Gesprächen sind wir zu dem Entschluss gekommen, dass wir den Vorschlag der IG, ein Verkehrsschild aufzustellen, nicht unterstützen werden.
Es ist aus unserer Sicht nun das Recht und die Pflicht der Gemeinde, zu gegebener Zeit bessere und vorallem würdevollere, individuelle Möglichkeiten des Gedenkens an jüdische Gemeindemitglieder und andere Opfer der Nazi-Zeit zu finden, denen solch ein furchtbares Leid zugefügt wurde.
Wir wünschen nun dem Gemeiderat bei seiner Beschlussfindung eine glückliche Hand und wünschen uns, dass unsere ablehnende Haltung verstanden wird.



